Wigwam Blog

Mittwoch, 1. November 2006

Autor: Susanne Rowley

Das Bauchgefühl - unsere Intuition

Die "gute Mutter"


Hallo liebe Wigwam-Freunde,

der letzte Info-Brief zum Thema "einfach Leben" ist bei vielen Lesern sehr gut angekommen - ich glaube vielen hat der Schreiber  aus dem Herzen gesprochen. Vielen Dank für die offenen und lobenden Reaktionen; ich hab sie alle an ihn weitergeleitet.

Ich denke, das Thema "einfach Leben" war so wichtig

einmal angesprochen zu werden, weil wir in unserer Gesellschaft allesamt tagtäglich gezwungen sind, mit Umständen  zu leben, uns irgendwie mit ihnen zu arrangieren.

Das macht uns oft unglücklich, weil wir glauben, die Welt wie sie ist, nicht ändern zu können. Und doch hat jeder von uns  Mittel und Wege, diese Welt in uns und um uns herum liebevoller und solidarischer zu gestalten. Wir Menschen haben Eigenschaften, die weder von Politik noch von der Gesellschaft als solches bestimmt werden können. Und einer dieser Eigenschaften möchte ich den heutigen Info-Brief widmen.

Unser Thema heute:

"Unser Bauchgefühl".

Doch dieses Bauchgefühl, dass uns Frauen - speziell uns Müttern - besonders nachgesagt wird, lassen wir zunehmend verhungern.

Seit nunmehr 13 Jahren

widme ich mich mit meiner Arbeit Eltern - vorrangig Müttern - , die ihre Kinder in "gute Betreuungshände" geben möchten. Sie wenden sich an mich, weil sie arbeiten wollen, sollen, können oder müssen ?! Jede von ihnen hat ihre eigene Geschichte, ihre eigene "Wirklichkeit" - genau wie ich.

Die eine

wollte nie Kinder, wollte sich nie "an der Wickelkommode verwirklichen" - wurde früher - noch kinderlos -  als "bevölkerungspolitischer Blindgänger" und egoistisch bezeichnet, ist aber heute froh, noch eines bekommen zu haben, weil sie jetzt wisse, was es bedeute. Obwohl sie nicht glaube, dass ihr Kind je eine gute Ausbildung haben wird in den heutigen "maroden und überfüllten Schulen". Überlegte deshalb ganz ins Ausland zu gehen - oder es gar nicht nicht in "fremde Hände" zu geben, weil man ja nicht wisse, ob es dem Kind schaden würde; aber weil sie doch studiert habe, wolle sie jetzt auch etwas daraus machen, obwohl ihr gesamtes Umfeld irgendwie dagegen spräche. 

Eine andere Mutter

wollte nie in die Arbeitswelt zurückkehren, obwohl sie Pädagogik studiert hat, weil ihr nach der Geburt klar geworden sei, dass Sie statt Pädagogin in einer öffentlichen Schule, zu Hause, konzentriert auf ihre Kinder, das selbe wertvolle leisten könne. Aber dann habe sie mit ihrem Mann ein Haus gebaut - und nun reiche es vorne und hinten nicht mehr. Nebenbei schmeiße sie noch den Haushalt. Das Genöle über die "moderne emanzipierte" Frau habe sie schon lange satt - überfordert seien die - sonst gar nichts. Aber für das Haus - müsse sie jetzt halt in den Beruf zurück, weil sie sonst das Gefühl hätte, ihren Mann mit der Finanzierung im Stich gelassen zu haben; aber wenn sie ihr Kind jetzt weggäbe, plagten sie Gewissensbisse, weil einer Studie zufolge, Kinder zwichen 0 und 2 Jahren nur die Mutter bräuchten.

Die nächste Mutter hat während der Schwangerschaft ihre ersehnte Ausbildung abgebrochen (alle hätten ihr zugeredet, das Kind doch zu bekommen) und möchte diese nun gerne fortsetzen. Sie habe sich seit der Geburt ihres Kindes noch keine Sekunde wohl gefühlt in einer Welt, die "nur" aus Spielplatz, Wickelkommode und Krabbelgruppen bestehe, in denen es nur einzelkämpfende Mütter gäbe, die miteinander konkurrierten zu den Themen: "Kann Deins schon sitzen ? - meiner läuft schon lange". Sie sei im Krabbelkreis nicht mehr so gut angesehen, seit sie darüber etwas habe verlauten lassen. Und im übrigen nähme die Schwiegermutter ihre Berufsrückkehrwünsche als willkommenen Anlaß, die häufigen Erkältungen der Enkeltochter ihr als Vernachlässigung auszulegen. Seither bemühe sie sich die Erkältungen ihrer Tochter durch homöopathische Vorsorgemaßnahmen im Rahmen zu halten, damit sich daraus keine Bronchialgeschichte entwickele, an der sie dann schuld sein könne.

Viele "schuldige" aber auch "hochkritische" Frauenstimmen

erreichen mich - ganz persönliche Geschichten - oder gesamtgesellschaftlichen Betrachtungen. Auf jeden Fall alles Äußerungen, die uns die Lebenswirklichkeit von Müttern vor Augen führen.

Was sei das für eine Welt, in der im Supermarkt augenscheinlich doppelt so lange Produktgänge für Hundefutter, als für Babynahrung geschaffen würden. Wie könne es sein, dass man positive Aufmerksamkeit auf der Straße bekommt, wenn man einen Hund hinter sich herführt, nicht aber wenn man einen Babywagen vor sich herschiebt. Wer hat dafür gesorgt, dass ein Hund im "feinen Restaurant" seine Wasserschale bekommt, man mit 4 Kindern aber nur vom Ober "geduldet" Platz nehmen darf.

Was sei das für eine Welt, in der der Chef beim Einstellungsgespräch "vom Handicap" spricht = Kind.

Alles Äußerungen, die uns zeigen, dass wir noch merken, dass in unseren Köpfen und Herzen was zuwiderläuft. 

Dann haben wir noch "Alice Schwarzer" im Rücken,

die uns als eine der bekanntesten deutschen Feministinnen seit 1970 gesagt hat, wie wir Frauen uns befreien sollen, und seit neuestem jetzt Eva Herrmann vor Augen, die uns mahnt, einfach nur zuzugeben, dass wir mit dem Eva- und Adamskostüm zugleich einfach zu dick angezogen sind.

Dazwischen schnürt uns Frau von der Leyen ein Korsett

aus politischen Anreizen und Reglementierungen, damit die Frauen wieder mehr gebären. Und wir lauschen aufmerksam Statistikern, klugen Psychologen und anderen wichtigen Persönlichkeiten, die besorgt feststellen, dass (*Zitat von Frank Schirrmacher - Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen) "der Ausbildungsgrad einer Frau mittlerweile eine feste Größe für Kinderlosigkeit und die Verschiebung stabiler Partnerschaften sei".

Nicht zu vergessen

die tägliche Dauerberieselung von Erziehungsratgebern und Nannys, die uns helfen unsere Kinder "richtig zu erziehen" und mit dem Finger darauf zeigen, was "wir falsch machen". 

Die Zeitschrift "Stern"

brachte es in diesem Jahr auf den Punkt. Es gibt keine "gute Mutter" in unserem Lande, weil wir an allem "schuld" sind. Sie und ich können es niemandem Recht machen - auch uns selbst nicht mehr. Der Stern schrieb:

Frauen, die keine Kinder haben sind karrieregeil

Frauen, die für Kinder zu Hause bleiben sind faul oder rückständig

Frauen, die trotz Kindern arbeiten, sind Rabenmütter

Frauen, die nur 1 Kind haben, sind selbstsüchtig

Frauen, die mehr als drei Kinder haben asozial

Frauen, die ihre Kinder früh abgeben, sind verantwortungslos

Frauen, die ihre Kinder nie in andere Hände geben, sind Glucken

Welche von den o.g. Frauen sind jetzt die, deren Kinder auf die "schiefe Bahn" geraten sind ? Ich bin noch nicht drauf gekommen :-).

Jetzt zerrt bald die neue "Globalität" an uns Müttern. Zwischen Hamburg und München zu pendeln wird nicht möglich sein, ohne sein Kind rund um die Uhr in Fremde Hände zu geben, oder das "Aus" für's Kinderkriegen zu beschließen. Und nu ?

Warum frage ich mich,

geben wir sie nicht auf die Doppelmoral, die uns alle verrückt und krank macht. Sehen der Welt ins Auge, wie wir sie uns selbst erschaffen haben -hektisch, komplex, vielfältig und daher mit wenig "richtigen und falschen" Orientierungsmöglichkeiten.

Warum besinnen sich Menschen - im besonderen hier die Mütter

nicht darauf, was ihre eigene ganz persönliche "Intuition" ihnen sagt - ganz einfach auf das, was ihnen gut tut und für sie alleine "richtig" und machbar ist. Das Lexikon sagt über Intuition, dass sie nicht danach geht, ob eine Entscheidung richtig oder falsch ist, sondern diese Art von Eingebung sei ganz einfach zusammengesetzt aus der persönlichen Bewertung, von Wahrnehmung, Erkenntnissen und gemachten Erfahrungen - und diese können doch nur unterschiedlich sein. Wenn wir dann noch in der glücklichen Lage wären, uns freizumachen von "Schuldgefühlen" und das Machbare für uns abwägen, wären wir ein großes Stück weiter.

Das gute Bauch-Gefühl,

was Müttern von der Natur mitgegeben wurde, wird heute von Schuldgefühlen fast komplett ausgehöhlt. Ich persönlich kenne fast keine Mutter mehr, die sie nicht als ständigen Begleiter neben sich hat. Ob das Kind Daumen lutscht oder später mal Drogen konsumiert - Mütter sind schuld. Und wenn das Kind erkältet ist, dann haben nicht die Viren das Werk vollbracht, sondern das Versäumnis, ihm rechtzeitig die richtigen Socken anzuziehen. Die Liste wäre endlos fortzuführen.

Als eine sehr lange allein Erziehende Mutter

kann ich 1 Lied davon singen. Aber es sollte bei jeder Mutter der Tag kommen, an dem Sie Resumee zieht, wieviel Sie sich bei all den Lasten noch selbst gegönnt hat, oder ob Sie buchstäblich an Anforderungen "von außen" verhungert ist. Den Umgang Sie tatsächlich leben.

Ein nüchterner Blick

auf Ihre Familiensituation z.B. muß von Zeit zu Zeit sein. Einem Ausschnitt aus einem Buch von "Gertrud Ennulat" entnahm ich eine schöne Übung, die ich auch bei mir mal durchführen werde. Nehmen Sie ein Blatt Papier und malen Sie für Ihre Familie einen Kreis. Dann zeichnen Sie für jedes Familienmitglied den Raum ein, den es ihrer Erfahrung nach einnimmt. Wieviel Platz haben Sie ? Oder: Stellen Sie sich eine Waage mit 2 Waagschalen vor. Geben Sie in die eine Schale, das Gewicht das Ihrem Kind entspricht und die die andere, das Gewicht, was Ihnen entspricht. Dieses Bild verdeutlicht, dass beides im Lot sein muß, damit beides gesund bleiben kann - sowohl ein Absinken der einen Schale, als auch ein Absinken der anderen Schale, wäre ein ehrlicher Grund darüber nachzudenken.

Mit diesem Bild

verabschiede ich Sie in die kalte Jahreszeit verbunden mit der Hoffnung, dass Sie sich persönlich keine "alleinige Schuld" geben am Geburtenrückgang in unserem Lande :-) - in diesem Sinne freue ich mich auf rege Resonanz zu unseren Themen.

liebe Grüße Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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