Tuesday, 20. January 2015

Autor: Susanne Rowley

Brandbrief Kindertagespflege - Tagesmütter & väter haften für ihren Berufsstand

geschrieben mit heißer Feder!

Tagesmütter & -Väter haften für ihren Berufstand!

Nein, heute heißt es nicht liebe Wigwam-Freunde, heute heißt es liebe deutschlandweit ansässigen Tagesmütter und -väter,

Wann gebt Ihr der Kindertagespflege endlich ein Gesicht?

Es raschelt im Betreuungskarton. Zeitungsberichte und Blogs häufen sich und zeigen:

Die "da oben" fummeln vielleicht am SGB VIII herum, an dem sie aufgrund der zu diskutierenden Qualitätsstandards in der Kindertagesbetreuung herumfummeln müssen. Und Euch bricht der Angstschweiß aus, man könnte die Kindertagespflege auch aufs Korn nehmen. Schlimmer noch, manche sehnen sich geradezu danach, aufs Korn genommen zu werden, um einem möglichen Vergleich Kita/Tagespflege Stand halten zu können.

Und schon sind sie wieder da, die Geister, die Ihr dauernd ruft. Die ersten Anzeichen, sich auf dem unrühmlichen Scheiterhaufen von politischem Druck, der gar nicht Eurer ist, und der scheinbar hübscheren Schwester Kita klaglos hinzulegen und auf die Hinrichtung zu warten.

Heute nehme ich mal das Blatt vom Mund.

Ich weiß - über allem schwebt Eure Existenzangst. Die Angst, es könnte Beschluss Nr. 3 gefasst werden, bevor der eigentlich notwendige Beschluss Nr. 1 auf den Plan tritt. Das wäre dann eine begrenzte Pflegeerlaubnis, bei gleichzeitger Entlohnung mit Apfel & Ei.

Schon laufen alle wie verrückt durcheinander und hoffen, was dort an Qualitätsstandard definiert würde, müsse auch für die KTP gelten. Und dann zücken sie deutschlandweit ihre Taschenrechner und müssen leider zu dem Schluss kommen, bei einer Begrenzung der Pflegeerlaubnis auf z.B. 3 Tageskinder, kann selbige gleich an den Nagel gehängt werden. Stimmt. Unter den Fördervoraussetzungen, die in manchen Bundesländern und Gemeinden gelten ja.

Und schon schnappt die Falle zu!

Hatten wir das nicht schon mal? War es nicht das gleiche Spiel in Sachen Zuzahlungsverbot bei gleichzeitiger Nichtanhebung der Förderleistung? Was sollte nochmal damit verbessert werden? Ach ja richtig, KTP sollte attraktiver werden für Eltern. Und – ist das gelungen? Oder ist es nicht eher so, dass parallel zum flächendeckenden Ausbau die Randzeitenbetreuung als Zusatzbelastung noch oben drauf kam? Und nun? Gucken wir wieder verzweifelt zum Amt und zu den Eltern hoch und überlegen uns, wie wir uns jetzt verbiegen, damit’s ins Neue Amtskorsett passt?

Davon kann ich nur abraten.

Und ja, ich kann hier niemandem versprechen, dass es nicht so kommen würde. Schon gar nicht, wenn hier alle wieder nur an sich selbst denken. Ich kann nur dringend davor warnen, wieder kurzfristig die Mittelchen aus der Tasche zu zaubern, die nachweislich noch nie geholfen haben.

Tja was denn dann?

Ich möchte Euch heute eine spannende Geschichte erzählen. Diese handelt in der Quintessenz von Nachhaltigkeit, einem echten Berufsbild & damit einhergehend - dem Erfolg, auf den Ihr schon so lange wartet.

Merke: Der Anfang vom Ende einer guten Sache ist immer der Vergleich mit einer anderen. Ich rufe Euch heute eindringlich dazu auf, das sein zu lassen, und Euch endlich auf einen eigenen Weg zu begeben. Ein Weg an dessen Ende ein Berufsbild steht, das aus sich selbst heraus eigene Qualitätsmaßstäbe setzt. Qualitäten, die so nur Ihr habt, und die jene Familien erreichen sollen, die das brauchen.

Um DEUTLICH zu machen, was ich meine, möchte ich eine kleine Geschichte erzählen. Lasst Ihr die auch wirklich auf Euch wirken, müsste Euch ein Lampenladen aufgehen.

Eine langjährige Freundin von mir wollte einen beruflichen Traum umsetzen. Sie eröffnete ein Geschäft für Schreibwaren für Menschen, denen Schreiben auf verschiedensten Arten wichtig ist. Dazu gehörte es, schöne Büttenpapiere anzubieten, Füller, die länger als bis übermorgen halten, Stifte, die gut in der Hand liegen, eine Beratung für Linkshänder u.v.m. Parallel dazu hatte sie selbstverständlich auch Existenzangst, ob ihr Angebot angenommen würde. Sie eröffnete, und die ersten Kunden, forderten von ihr die Bildzeitung aufzulegen. Das tat sie dann auch, damit der Opa von nebenan auch wiederkommt. Insgeheim wollte sie diesen Opa aber gar nicht bedienen. Ich möchte hier keine betriebswirtschaftliche Abhandlung daraus machen, sondern eine Haltung aufzeigen. Das ganze endete damit, dass sie neben der Bildzeitung noch den Lückenfüller für Amazon spielte – also billiges Schulmaterial auf die Schnelle anbot – alles, was der Riese gerade nicht liefern konnte. Dazu kamen zu allem Überfluß noch ein verzweifelter Lottodienst nebst Wäscheservice. (Da könnte man doch noch Blumen reinquetschen - findet Ihr nicht?)

In den nächsten Wochen wird sie ABGEWICKELT.

Sie kommt unter den Hammer. Aus - Schluss - Schließung. Sie schließt, meine beste Freundin schließt, weil sie vom Ramschladen, den sie aus sich hat machen lassen, weder leben kann, noch ist ein Funke der Freude auf ihrem schönen Gesicht geblieben. Wir könnten jetzt stundenlang darüber diskutieren, ob sie einen guten Standort gewählt hat, ob es Menschen gibt, die noch Füller suchen. Und ich sage Euch:

Ja die gibt es. Aber die hat sie nicht mehr angesprochen, weil die Bildzeitungswunscherfüllung schneller war. Sie hat für ihre Idee gebrannt, aber sie hat nicht einen Monat dazu gestanden. Schlimmer noch: Sie hat nie daran geglaubt. Sie hat sich jedem Kunden angepasst, der zu ihrer Tür hineinfiel mit dem Ergebnis, dass sie ihre Ursprungsidee am Ende selbst nicht wieder erkannte. Eigentlich könnte ich hier jetzt auch schließen oder nicht? Sie müssten wissen, wo ich hin will.

Ähnliches beobachte ich seit 2 Jahrzehnten in der Kindertagespflege. Sie passt sich an, sie tut was sie kann, soll, manchmal auch muss. Und dennoch geht sie vor die Hunde. Es darf also ab einem gewissen Zeitpunkt die Frage erlaubt sein, ob der Weg zum Ziel nicht der falsche sein könnte.

Und hier kommen die Eltern ins Spiel. Wie oft höre ich, die Formulierung: Was nützt es, unserem Berufsstand ein Gesicht zu geben, wenn uns dann keiner mehr nachfragt.

Das ist die falsche Frage.

Umgekehrt wird ein Schuh draus. Es fragt Euch keiner nach, weil ihr kein Gesicht habt!!

Natürlich – es gibt sie, die Eltern, denen Euer Berufsstand egal ist. Und die nur dann zu Euch gekrochen kommen, wenn sich sonst nichts bietet. Und ja, es gibt sie, die Eltern, denen es egal ist, ob sie ihr Kind von der morgendlichen Oma, über die Kita, bis hin zu Eurer Randzeitenbetreuung zerren. Und es gibt auch solche, die einen Platz bei Euch buchen u es kaum erwarten können, bis der Kitaplatz nebenan frei wird. Na und? Das sind eben nicht Eure Kunden!

Es gibt auch Menschen, die wollen vom ADAC immer dann abgeholt werden, wenn sie mit einer Panne am Autobahnrand stehen, wollen aber kein Mitglied werden, und wollen auch nicht die Autos mitfinanzieren, die sie abholen sollen. Und es gibt sogar noch eine dreistere Fraktion: Das sind die, die sind Mitglied und wollen tatsächlich ihr Geld zurück, wenn sie mal keine Panne hatten. Die alle gibt’s. Und die wird es immer geben. Pech, die müssen dann eben laufen.

Aber es gibt auch die anderen. Und müsst Ihr alle Eltern bedienen? Liegt es nicht auch in der Eigenverantwortung des „Kunden/Eltern“, was er schlussendlich geboten bekommt? Würde es nicht mehr Sinn machen, ein hochwertiges Angebot zu schaffen, und jene Eltern anzuziehen, die die Vorteile, die sich daraus für sie selbst ergeben, erkennen? Glaubt ihr nicht, es gibt Menschen, denen eine gute Dienstleistung etwas wert ist? Ich sag mal frech: Tagesmütter, die beklagen, das jedes Elternpaar die Windeln vergisst, haben in Wahrheit nicht immer „zufällig“ nur nachlässige Eltern, sondern es wurde ihnen irgendwann mal von der Tagesmutter selbst erst ermöglicht, nachlässig sein zu dürfen. Und ist es nicht Naturgesetz, das mit einer Sache respektlos umgegangen wird, wenn sie sich entsprechend gibt?

Das Berufsbild ist in Wahrheit Euer einziges Problem,

das, solange Ihr das nicht einsehen wollt, immer neue Probleme produzieren wird.

Ich behaupte sogar, Eltern wären erleichtert, müssten Sie sich ihr Angebot nicht mehr selbst zusammen suchen, sondern würden auf erfahrene, selbstbewusste Tagesmütter & väter treffen, die für sich selbst und damit für sie mitgedacht haben. Niemand möchte Handlanger und Erfüllungsgehilfen um sich haben, also wundert Euch nicht, wenn mit Euch so umgegangen wird.

Hört auf ein Problemfall zu sein, sondern werdet Teil der Lösung FÜR Eltern. Seid hochwertig, seid qualitativ geschult, bietet, was Ihr verlangt, seid kompetent und übernehmt die Führung in Eurer Erziehungspartnerschaft. Die Eltern, die dann gerne den Kopf bei Euch ablegen, werden es Euch danken.

Nächster Punkt. Die Selbständigkeit. Hier hättet ihr gerne Fisch und Fleisch. Da wo es Euch passt, bitte frei sein, und da wo es an die Verantwortung geht, bitte beim Amt wieder anlehnen. Wenn ihr den Spatz in der Hand und die Taube auf dem Dach wollt, werdet Ihr demnächst mit leeren Händen da stehen. Also bitte Verantwortung für Euer Berufsleben übernehmen. Wenn Ihr das nicht könnt‘, dann meldet Euch als Zugehfrau bei Herrn von und zu an.

Mein Aufruf:

Informiert Euch nicht nur „da oben“, was über Eure Köpfe hinweg entschieden werden könnte, sondern stellt ggf. die Info selbst infrage und seid Teil der Entscheidungsfindung. Seid nicht länger Opfer des Systems, sondern Täter eines neuen. Wenn KTP es schafft, ein eigenständiges Bild zu bekommen, ändert sich auch der Blick auf Euch und damit die Haltung der Eltern.

Ich darf das alles sagen,

weil ich es täglich praktiziere seit 22 Jahren. Innerhalb von Wigwam darf kein Elternpaar einen „Auftrag“ aufgeben. Sondern wir schauen uns das familiäre und berufliche Leben an und zeigen auf, wie Ruhe in den Familienalltag kommen kann. Parallel setzen diese Eltern ihre Prioritäten neu und genießen ihrerseits das völlig neue Gefühl, sich aus der Ohnmacht, ihr berufliches Leben nicht planen zu können, zu befreien.

Diese Eltern verstehen irgendwann, dass man den Ast auf dem man sitzt, nicht absägen darf.

Wer das nicht glaubt, schaut sich gerne in meinem Gästebuch unter wigwam.de um – dort könnt Ihr Euch von Eltern überzeugen, die die Investition in den Berufsstand schlussendlich als ihren Gewinn verbuchen konnten.

So geht win win.

Und weil ich gerade so in Fahrt bin, hab' ich noch einen.

Reizwort Sozialverträglichkeit

– dazu habe ich heute auch wieder den Satz lesen müssen. >> Wir müssen bezahlbar bleiben <<

Richtig, volle Zustimmung. Aber nicht auf Eurem Rücken. Dahinter verbirgt sich nichts weiter als der Freischein, dass Kommunen sich aus der Verantwortung stehlen müssen, weil der Bund sich aus der seinen stiehlt. Freie Wirtschaft wird überhaupt nicht behelligt, obwohl sie es ist, die neben den Sozialkassen am meisten profitieren.

Merkt Ihr was?

Alle dürfen verdienen, nur Ihr müsst Euch als billige "Berufene" verkaufen.

Die Tagesmutter ist nur das letzte Glied in der Kette; aber ein verdammt wichtiges!

Denn wenn dieser Baustein fehlt, bricht das Betreuungsgebäude zusammen. Oder warum glaubt Ihr, wird über Euch überhaupt verhandelt. Weil sie nicht wüssten, was ohne Euch tun.

Denkt nicht nur an morgen, sondern auch an übermorgen. Unsere Behörden sind Volksvertreter und Staatdiener und werden von Euch bezahlt. Und wenn Ihr morgen Eure Arbeit allesamt einstellt, stehen in der freien Wirtschaft die Räder still. Wenn solche Geschütze je aufgefahren würden, dann würdet ihr spüren,

>>>>>  welchen „WERT“ <<<<<<

Ihr in Wahrheit besitzt.

Arbeitet endlich daran, die KTP zukunftsfähig zu machen – für Euch und für die zukünftigen Eltern & Kinder, denen die Augen übergehen würden, hätten sie es mit einem ausgereiften, stolzen Berufsstand mit Plan zu tun. Einer, der sich nicht zu schade ist, auf seine Kunden zuzugehen, aber auch einer, der sich nicht für den Kunden aufgibt. Eben einer, der was ganz Eigenes zu bieten hat.

Wartet nicht wieder solange, bis der Sturm losbricht und segelt nicht wieder hilflos im Windschatten der Kita umher.

Ich bitte Euch! Denkt nach!

Und nie waren die Zeiten dafür besser als heute.

Eure Susannne Rowley

Wigwam 1994
Anerkannte Bildungseinrichtung
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