Sonntag, 26. Mrz 2017

Autor: Susanne Rowley

Armes frühes Kinderleben im Zeitalter von Normen, Standards und Tests

Die Messung von Kompetenzen wird in Beziehung gesetzt - nicht der Mensch. 

Politiker und Ökonomen setzen den Rahmen, schicken uns in Wettbewerbe und werten uns und unsere Kinder dann im Hinblick auf Kosten-Nutzen aus.

Pisa für die 5-Jährigen ist am Start.

Dann ist Pisa für die 1-Jährigen auch nicht mehr weit.

https://kinder.hypotheses.org/1401

Turbo & Wettbewerb als Garant für wertes Leben?

Höchste Zeit, sich umzuschauen, was sich an gesellschaftlich gesundem Widerstand auf Eltern- und Familienseite so regt bezüglich des Bildungs- und Effizienzdiktats unserer Familienpolitik. Und es regt sich so Einiges. Die Basis blogt an in Sachen Deutungshoheit werten Lebens. Und sie fordern sie zurück. Sie sehen kritisch, was ihnen als modern, familienfreundlich und kindgerecht verkauft wird. Sie haben längst erkannt, dass das Massen-Vorzeichen "Turbo" den Klang des Familienalltags bestimmt und wehren sich gegen die Verengung und Verdichtung von allem und jedem auf volkswirtschaftliche Effizienz.

Familie - Opfer eines parteiübergreifenden Konsens

Auslöser für den Widerstand ist nicht nur der Ausbau einer miserablen Betreuungslandschaft, in deren Mittelpunkt das Kind und die Familie niemals standen, sondern der hartnäckige parteiübergreifende Konsens, Familie wirtschaftskompatibel zu machen. Blendende Begrifflichkeiten wie „moderne“ „familienfreundliche“ oder gar „soziale“ Familienpolitik entlarven sich längst selbst, weil Lebensqualität spürbar verloren geht. Es ist eben nicht familienfreundlich, Familien Tag und Nacht voneinander zu trennen, und es ist alles andere als modern, das Kind institutionell "out zu sourcen", und schon gar nicht wird als kindgerecht erkannt, Kinder wildfremden Händen zu überlassen, nur weil sie gebildet sind.  

Längst werfen Familien einen scharfen übergeordneten "humanen Blick" auf ihr Leben und erkennen, dass human von der Wiege bis zur Bahre keine Rolle mehr spielt.

Politik schafft „Lösungen“, die zugunsten der Wirtschaft "Unproduktive" einfach aus dem Weg schafft

https://www.bpb.de/politik/innenpolitik/familienpolitik/243303/die-familie-wird-wirtschaftskompatibel-gemacht

>> Nachdem erst die Alten aus den Familien ausgelagert wurden, sind nun die Kinder und Jugendlichen an der Reihe, die zweite große, unproduktive Gruppe der Gesellschaft. Der Wandel vollzieht sich weltweit. Wir steuern auf eine Gesellschaft zu, stellte die amerikanische Soziologin Arlie Russel Hochschild fest, in der ein Mensch seine ersten Worte zu einer Kinderbetreuerin spricht und seine letzten Worte zu einer Altenbetreuerin. <<

Die Essenz der Familiendebatte wandelt sich - endlich.

War es in früheren Zeiten eher ein Zickenk(r)ampf, bei dem es im Kern darum ging, zu ermitteln, wer ist die gute, wer die schlechte Mutter, und wer hat das bessere Konzept, die Wiedereinsteigende oder die kümmernde Hausfrau, wandelt sich aus meiner Sicht die Art von Aufbegehren langsam aber wohltuend in Richtung persönlichem Werteerhalt. Eltern stellen sich vermehrt nicht mehr die Frage, wie bewegen wir uns schadensbegrenzend im System, sondern sie fragen sich laut: Wie wollen wir heute und in Zukunft leben!

Politik ist längst übergriffig geworden

Im Kern der elterlichen Statements verweisen sie politisch Verantwortliche auf ihre Plätze zurück, weil sie übergriffig geworden sind. Aufgabe von Politik ist es Familienleben zu flankieren – nicht aber seinen Stellenwert im Leben zu verschieben, eigenmächtig zu diktieren und der Wirtschaft unterzuordnen.

Ökonomische Vernunft ist unvernünftig, wenn es um Lebensqualität geht

Angeheizt wird das Aufbegehren aus meiner Sicht nicht nur durch die schlechte Betreuungsqualität, sondern vielmehr dadurch, dass Familien im Hier und Jetzt einen ehrlichen Blick vom Heute in die Zukunft riskieren und verstanden haben, dass der reduzierte Gesichtskreis sozialer Belange einzig auf die „ökonomische Vernunft“ keine Antwort mehr sein kann. Das Totschlag-Argument der politischen Elite verliert seine Durchschlagskraft. Und das ist besonders bemerkenswert, weil sich diese Erkenntnis in einer Zeit Bahn bricht, in der sich mehr Familien als je zuvor in ökonomisch unsicheren Verhältnissen bewegen, in der mangelnde Planungssicherheit ihnen das tägliche Leben schwermacht. Ein zartes Anzeichen, dass die Angstmache zugunsten wirtschaftlicher Gefügigkeit nicht mehr zieht. 

Kinderzeit nicht mehr wert, als der Furz an der Börse

In welchen Lebensbereich ist der Effizienzgedanke eigentlich noch nicht vorgedrungen? Er schwebt über allem, auch da, wo er nicht nur nichts zu suchen hat, sondern sogar Schaden macht, weil er das Gegenteil bewirkt. Schauen wir uns um in Lebensstadien wie Schwangerschaft, Geburt, Stillzeit, Kinderzeit, Wiedereinstieg in den Beruf – all das hat im um sich greifenden Effizienzwahn der Politik mittlerweile nicht mehr wert, als die tägliche Verdauung an der Börse.

Nehmen wir als Beispiel

Die Situation der Hebammen in diesem Lande. Wir sollen viele Kinder gebären, wie, wo, wann und mit wem wir das tun, ist jedoch egal? Gleiches galt und gilt für die Zunahme der Kaiserschnitte. Arbeiteten sich vor Jahren noch Studien an der Zunahme dieser Eingriffe und ihrer „not-wendigen“ Hintergründe ab, spüren Mütter heutzutage hautnah, die reale Entmündigung in einem wichtigen Lebensabschnitt. Im Anfangsstadium dieses Trends waren es gerade die Verantwortungsbewussten unter den Müttern, die diesem vorschnell auf den Leim gingen, um ihr Kind nicht zu gefährden; heute sind es genau jene, die dagegen aufbegehren.

Familien bloggen gegen das Effizienz-Diktat

Viele Blogs, die ich zurzeit verfolge, viele Telefonate und Gespräche, die ich täglich mit Eltern führe, zeugen davon, dass es einen deutlichen Gegentrend gibt, sich die Selbstbestimmung zurück zu erobern – egal, was es kostet! Es ist den Bloggerinnen zunehmend egal, welches Lebensmodell ein höheres gesellschaftliches Ansehen genießt. Sie fordern Raum für ihr eigenes. Bloggerinnen wie z.B. „Berufung Mami“ befreien sich vom gesellschaftlichen Ab- und Anerkennen von Status durch wirtschaftspolitisches Treiben, weil sie erkannt haben, dass sie ihrem persönlichen Erleben in wichtigen Lebensphasen komplett beraubt werden. Sie schreiben über Themen wie "Beziehung statt Erziehung", http://www.beziehungstatterziehung.com/ stellen ab auf ein "Bedürfnisorientieres Familienleben". Es spielt keine Rolle mehr, ob man sich als Leser den individuellen Betrachtungen anschließen möchte, die neuen Blogs und Bücher fordern Freiheit für das "eine individuelle Leben", das wir haben.

Bücher wie: Alina Bronsky, Denise Wilk: "Die Abschaffung der Mutter - Kontrolliert, manipuliert und abkassiert – warum es so nicht weitergehen darf"sind weitere Beispiele dafür. 

http://www.deutschlandradiokultur.de/alina-bronsky-die-abschaffung-der-mutter-brauchen-wir-ein.1270.de.html?dram:article_id=355375

Solche und andere Abhandlungen verzichten auf die üblichen Belehrungen, was gut und schlecht fürs Kind ist, sondern wenden sich gegen das Schubladendenken von Schwarzweiß-Malern, die zugunsten einer langen Stillzeit, die Karrierechancen in Gefahr sehen, und sie wollen auch keine Minute länger mit jenem Lager diskutieren, ob zurück an den Herd die bessere Option wäre.

Der digitale Umbau regt zum Nachdenken über Grundsätzliches an

Warum stehen gerade jetzt so viele Familien für ihren Wunsch nach Eigenständigkeit ein? Ich glaube, es hat u.a. damit zu tun, dass die Gesellschaft spürt, dass ein umfangreicher Umbau aufgrund der Digitalisierung vor uns liegt. Zahlreiche Experten und Autoren malen uns schon heute das Familienbild, das morgen an unseren Wänden hängen wird. Egal, wie es aussehen wird, oder wer von den Experten näher an der Abbildung des möglichen Zukunftsgeschehen dran ist, es schwebt die eine zentrale Frage im Raum:

Wieviel „Entpersonalisierung“ verträgt der Mensch.

Der bekannte Autor und Philosoph Precht referiert permanent über Zukunftsszenarien, mit denen sich sicher nicht alle identifizieren können. Es geht auch nicht darum, ob er Recht hat, wenn er diversen Berufsgruppen wie Anwälten, Ärzten etc. den Untergang prophezeit; viel wichtiger ist die allgemeine Einschätzung der Folgen, nämlich, dass die "persönliche Ansprache zwischen den Menschen den effizienten Klicks zum Opfer fallen wird, und uns diese Wahrheit schon heute ziemlich "arm" macht.

https://www.youtube.com/watch?v=4Ix55mYFp-E

Möglich, dass das neue Zeitalter zur Abhilfe einmal Professionen hervorbringen wird, die nur dazu dazu sind, „sich zu kümmern“, und den Rest erledigen wir per Mausklick.

Das bringt mich zu der Frage, was muss ein staatlich geprüfter Kümmerer an Qualifikationen mitbringen ;-) ?

Sehen Sie wie absurd das ist?

Absurd auch deshalb, weil es in Wahrheit höchst ineffizient ist, Leben auf allein kognitive Bereiche zu konzentrieren. Denn in allen anderen Lebensbereichen wird der aufwändige Reparaturbetrieb in Folge einsetzen müssen.

Einer der sich traut, einfache humane Worte zu twittern

ist Dr. med. Rainer Böhm

http://www.fachportal-bildung-und-seelische-gesundheit.de/index.php/zur-person

In seinem Portal widmet er sich dem Wandel des Bildungsbegriffes mit all seinen Folgen.

Er hat erkannt, dass wir eine Welt geschaffen haben, in der Bildung als „Königsweg“ des Lebens angesehen wird. Nur sie allein gilt noch als Garant für das Bestehen im internationalen Wettbewerb, für die Sicherung von Wohlstand und der Minderung von sozialer Ungleichheit.

Es werden Lebensziele „kreiert“, die keinen Widerspruch dulden,

weil sie nur dann Gehör finden, wenn sie sich ausschließlich auf der kognitiven Leistungsebene abspielen. Und wenn wir uns umschauen, sehen wir, keine Partei kann sich dem noch entziehen.

Menschen sind Humankapital und nur unter diesem Aspekt handelt Politik.

Menschen werden be-wertet mit Normen Standards und Tests überzogen. Und kaum jemand stellt hierbei die Frage: Ist das lebenswert?

Es geht um Zuwachs um jeden Preis. Aber wohin führt dieses Höher, Schneller, Weiter? Das hat mir noch keiner beantworten können.

Stattdessen beobachtet er ebenso wie ich, dass durch den Wunsch nach Steigerung und das Streben nach Effizienz eine unglaublich aufwändige Massenverwaltung von individuellem Leben entstanden ist, für deren unerwünschte Folgen in vernachlässigten humanen Bereichen wiederum neue Lösungen erschaffen werden müssen. Meist ist es dann eine Art von Reparaturbetrieb, der höchst ineffizient ist, weil zu kostenintensiv und ohnehin viel zu spät. Ein System, das von sich sagt, "keinen zurücklassen zu wollen", in Wahrheit aber darauf getrimmt ist, niemals beim Einzelnen ankommen zu können, weil die Maschen auf kognitive Elitegröße gestrickt und deswegen auch nur solche durchlassen können. 

Ein heil-loses Unterfangen. Und mir kann wirklich keiner mehr erzählen, das sei effizient.

Im Kern prophezeit Rainer Böhm eine Gesellschaft von leistungsoptimierten, aber instabilen Persönlichkeiten. Und wer ein bisschen Phantasie hat, kann sich ausmalen, wie unmenschlich und ineffizient das in Folge wirklich ist.

Seine Tweets sind fast beschämend einfach - und so wahr.

https://twitter.com/doroboehm

Diese Tweets werden wenig geliked und kaum geteilt. Weil aus der Feder eines Akademikers das Aufzeigen komplexerer Zusammenhänge erwartet wird? Aus meiner Sicht schafft er Wunderbares - nämlich Raum für "Offensichtliches". Wir müssen nur den Mut haben, genau da wieder hinzuschauen, statt uns dem effizienzgeilen Staat und seinen Werkzeugen zu ergeben. 

In meinem vergleichsweise "kleinen" Ausschnitt / Tätigkeitsbereich "Vereinbarkeit" könnte ich aus 24-jähriger Erfahrung heraus im Hinblick auf die Effizienz des individuellen Kümmerns um Bedürfnisse von Eltern, Kindern und Pädagogen sofort stichhaltig beweisen, wie nachhaltig erfolgreich das Kümmern wirklich ist. Denn ich werde oft gefragt, wie ich die Menge an Familien eigentlich bewältige. Das schaffe ich, weil ich die Anstrengungen auf den Beginn der Zusammenarbeit lege, nicht auf das Nacharbeiten. Das ist effizient!

Ich gebe persönlich zu, dass ich an manchen Tagen mehr als erleichtert bin, der Babyboomer-Generation anzugehören - und damit auf "natürlichem Wege" einem Teil der leb-los ent-menschlichten Zukunft zu entgehen.

herzlich

Ihre Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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