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Montag, 12. August 2013

Autor: Susanne Rowley

Alleinerziehende – ohne Netz und doppeltem Boden, springen sie

Weil ihnen im Alltag gar nichts anderes übrig bleibt.


Alleinerziehend zu sein, heißt eben oft genau das, was es eben heißt: alleine sein!

Liebe Wigwam-Freunde,

Alleinerziehende sind die stärksten Selbstversorger unserer Gesellschaft – sie stemmen alles parallel – Job, Kind und auch all das, wofür der Partner vor der Trennung einen Ausgleich bot.

Und wenn der Staat auf solche Lebensumstände keine Antwort hat,

spart er diese scheinbaren Randgruppen aus seinem Gedankengut kurzerhand ganz aus. Unglaubliche Kraftakte vollführen in unserem Land diejenigen, die trotz gescheiterter Beziehung versuchen, ihren Kindern ein schönes Leben zu bieten, Vorbild zu sein im Hinblick auf das, was deren Kinder erwartet, wenn sie einmal erwachsen sind.

In vielen Berichten, die ich lese, werden neben beklagten tradierten Familienbildern, steuerlichen Nachteilen auch der Wunsch nach Teilzeit- bzw. nach flexiblen Betreuungsmodellen angesprochen. Ein Punkt, mit dem wir im Wigwam täglich zu tun haben. Flexible Strukturen in der Arbeitswelt, wie sie real nun mal gegeben und gefordert sind, werden in der Gesellschaft nicht abgebildet. Dabei wäre es ein leichtes, setzte man die Anreize in der Betreuungslandschaft dafür richtig und schaute man zudem nach Ressourcen, die durch gesamtgesellschaftliche Veränderungen von ganz allein entstanden sind.

Nicht Schubladen mit festen Öffnungszeiten können hier dienlich sein, sondern familiennahe Strukturen; quasi ein Pendant zu der alleinerziehenden Familie, die diese Strukturen braucht. Doch dazu brauchte es auch Mut, um Gestaltungsspielraum für diejenigen, die gerne in jene klaffende Betreuungslücken einstoßen würden, zu lassen.

Wer hier gemeint ist?

Na die Menschen in unserer Gesellschaft, die irgendwann naturgemäß zurückbleiben, wenn junge Menschen sich aufmachen, der Arbeit hinterher zu ziehen. Zurück bleiben die Omas und Opas, die gerne mit ihren eigenen Enkeln ihren Lebensabend verbracht hätten. Diese reifere Generation stellt ein Betreuungspotential dar, das nicht nur flexibel, familiennah und bereitwillig zur Verfügung stehen würde, sondern es brächte auch unseren Allerkleinsten das, was es früher in einer Großfamilie auch zu haben gab.

Die Geborgenheit und Gelassenheit,

die sich eine reifere Generation wieder leisten kann, weil sie zurückblickt auf ein erfülltes Leben, in der Hast und Eile keinen Platz mehr haben sollen. Sie bieten das wertvollste, was für unsere Allerkleinsten zu haben wäre

– und das ist Zeit! Ungeteilte Zeit,

der die junge, arbeitende Generation verzweifelt hinterher hechtet und sie doch nie findet.

So ganz nebenbei füllt diese Betreuungsidee auch eine Lücke, die die reiferen Menschen empfinden; vielen fehlt der Anschluss zur jungen Generation – sie vermissen ihre Enkel, die sie nur von Zeit zu Zeit sehen können, weil meist eine anstrengende Reise damit verbunden ist. Diesem natürlichen Potential, und dem zusätzlichen Glück, dass zwei Seiten sich finden möchten, die einander sehr gut brauchen könnten, haben unsere politisch Verantwortlichen kurzerhand einen gesetzlichen Betreuungsriegel vorgeschoben durch alle in den letzten Jahren entstandenen gesetzlichen Grundlagen, die der Qualitätssicherung für Förderung und Bildung unserer Kinder dienen sollen.

Es gibt sie offiziell nicht mehr, die Oma von nebenan, die eine neue Aufgabe darin finden würde, einer alleinerziehenden Familie zur Seite zu stehen, sehr kleinen Kindern von gestressten Müttern Geborgenheit vermitteln würde, Schulkindern am Nachmittag ihre Mittagsmahlzeit bereiten könnte.

Aber wie wir alle längst wissen, entsteht keine wirkliche Grundlage für die Bildung eines Menschen, wenn er eines zuvor nicht erfahren durfte, und das ist Bindung, die durch Zeit und intensive Zuwendung und sichere Geborgenheit entstehen.

In unserem Wigwam haben wir für diese alleinstehenden Familien,

für kranke Eltern, oder Eltern mit sonstigen Betreuungsbedürfnissen, die nicht immer einen Arbeitshintergrund haben müssen, die Form der Freundschaftsfamilie geschaffen. Abgeschnitten von jeglicher staatlicher Förderung, weil offiziell den Qualitätsmaßstäben nicht genügend, leisten diese Freundschaftsfamilien einen ungeheuer wertvollen Dienst unter unserem Dach.

Sie bieten das, wonach sich Menschen, wie die Mutter im Radiobeitrag so sehr sehnen – eine kindgerechte zeitlich flexible Begleitung im Alltag solcher Familien. Eine Begleitung, die nicht nach Öffnungszeiten und Bildungsmaßstäben fragt, sondern mit Wärme und gelebter Erfahrung punktet. Es mutet zuweilen extrem paradox an, dass wir das, was natürliches Leben ausmacht, unter unserem Dach erst wieder "herstellen" müssen, weil es anderswo nicht mehr leben darf.

Es ist nicht leicht, diese Betreuungsform zu erhalten,

im Dschungel aller behördlichen Auflagen, zwischen drohender Rentenkürzung, diktiertem erlaubten Zeitfenster pro Woche; aber es bildet sich eben auch das, was wir uns erhofften, als wir dieser Betreuungsform ihren Namen gaben: Freundschaften!

Und diese leisten ab einer gewissen Festigkeit eben mehr, als ursprünglich einmal angedacht war. Zunächst aus der Not heraus geboren, durften wir erleben, dass neue Gemeinschaften sich bilden, die einander das geben, was gesetzlich nicht zu ver- und schon gar nicht zu ent- ankern ist.

Auch das ist eine Definition von Qualität

nur anders als es in Gesetzesschriften zu lesen steht!

liebe Grüße

Ihre Susanne Rowley

WIGWAM 1994
Susanne Rowley
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