Nancys Kleine Wigwam Forscher

Nancys Wigwam Forscher

Man braucht ein ganzes Dorf um ein Kind zu erziehen

Liebe Eltern, liebe Wigwam NeuanwärterInnen,

mit meinem Kinderstübchen durfte ich erstmals den Reggio Gedanken ins Wigwam tragen. Stellvertretend für viele andere PädagogInnen aus unserem Team darf ich Ihnen heute auszugsweise einen kleinen Einblick in meine persönliche Konzeption geben. 

"Man braucht ein ganzes Dorf um ein Kind zu erziehen", ist der Satz, der meine Kindheit prägte.  

Mein Name ist Nancy. Ich bin verheiratet und Mutter von 3 Kindern. In meiner eigenen Kindheit durfte ich erfahren, was ich heutzutage vielen Kindern wünsche: Eine gesunde Mischung aus Verbundenheit und Autonomie. Meine Eltern gaben mir das Bewusstsein mit auf meinen Weg, dass wir alle ein Teil der Natur sind, sie ausgiebig genießen sollten, aber uns aus der Verantwortung für ihren Erhalt nicht stehlen dürfen. Da meine Eltern über diese Haltung nicht nur sprachen, sondern sie uns Kindern auch vorlebten, habe ich heutzutage zutiefst verstanden, dass man Werte erfahren haben muss, möchte man sie glaubhaft weitertragen. 

An die Nordsee oder zu Wigwam nach Mainz? 

Das war nie wirklich eine Frage, aber eine ziemlich aufregende Sache, denn als ich Wigwam kennen lernte, wohnten meine Familie und ich in Thüringen. 560 Km Hin und zurück hatten wir bei jedem Wigwam Treffen zu stemmen. Aber das haben wir mit großer Vorfreude auf die neue Aufgabe gemeistert. 

Die frühkindliche Förderung und Entwicklungsbegleitung ist für mich eine Herzenssache. Ich bin das, was man eine gesunde „Idealistin“ nennt. Die Aussicht in überfüllten Kita Einrichtungen dieser Aufgabe weiterhin nachzugehen, kam für mich ab einem bestimmten Punkt im Leben nicht mehr infrage. Als ich selbst Mutter wurde und beide Blickwinkel, die der Mutter und der Erzieherin, einnehmen konnte, kam meine berufliche Leidensfähigkeit an ihre Grenzen. Es kam der Tag, an dem es für mich nur noch 2 Wege gab: Den Beruf der Erzieherin aufgeben, oder das Umfeld verlassen. Ich entschied mich für Wigwam, weil ich das Lächeln der Kleinen nicht verlieren wollte. Das habe ich noch keinen einzigen Tag bereut. 

Eine gute Erzieherin lernt von Kindern

und den Wegen, die sie genommen haben. 

Humboldt vertrat die Auffassung, Bildung sei die Verknüpfung unseres Ichs mit der Welt. Damit ist im Grundsatz gemeint, dass Bildung stets ein offener und un-abschließbarer Prozess bleibt.

Kinder täglich aufs Neue zu motivieren, ist ebenso mein erklärter Wunsch, wie lebenslang selbst hinzu zu lernen. Auf ihrer individuellen Entdeckungsreise begleite ich meine Tageskinder wertschätzend und ermutige sie, Neuem mit Offenheit zu begegnen und sich dabei frei zu entfalten. Kinder wissen selbst am besten, was sie brauchen und verfolgen mit Energie und Neugierde die Entwicklung ihrer ureigenen Kompetenzen. Ein Kind will die Welt verstehen, begreifen, erleben und anfassen. Es will durch Experimente, durch Versuch und Irrtum seine alltagspraktischen und sozialen Handlungsweisen erweitern. Ein Kind bestimmt selbst den Zeitpunkt, wann es etwas über ein bestimmtes Thema lernen und nachhaltig aufnehmen kann. 

In meiner langjährigen Erfahrung als Pädagogin und Mutter durfte ich erfahren, dass dies tatsächlich so ist. Um diese Einschätzung nie aus dem Blick zu verlieren, setze ich mich immer wieder mit meinem eigenen Bildungsverständnis auseinander. 

Hierzu biete ich: 

  • Räume für individuelle Entfaltung und Verwirklichung.
  • Gelebte Wertschätzung im täglichen Miteinander. 
  • Lernen in kleinen Projekten.
  • Einblicke in meine pädagogische Dokumentation. 
  • Elternbegleitung und Förderung der Mitverantwortung.

In der Gemeinschaft Kompetenzen entdecken.

Ein Buch vom Bauernhof regt die Fantasie der Kinder zwar an, kann aber einen realen Besuch vor Ort nicht ersetzen. Ein Besuch auf dem Bauernhof, das Miterleben, das Anfassen, das Mithelfen ist nachhaltiger und verständnisvoller. Wir machen dort mit, wir fassen Tiere an, wir sehen, dass die Kuh tatsächlich Milch gibt. In späteren Rollenspielen erlebe ich, dass meine Tageskinder das vielfältige Treiben auf dem Bauernhof verinnerlicht haben. Durch diese Herangehensweise erfahren Kinder Kompetenzen ganz persönlich, wodurch Erlebnisse erst individuell bedeutsam für Kinder werden. 

Ich gebe meinen Tageskindern die Möglichkeit, auf vielfältigste Weise zu experimentieren. Hierbei stelle ich unterschiedlichste Materialien zur Verfügung. Durch völlig eigenständiges Probieren eröffnen sich völlig neue Erlebniswelten. Sie mischen z.B. Farben und stellen plötzlich fest. Huch, wie von Geisterhand wird aus Gelb und Blau ein Grün. Bei allen Unternehmungen ist es mir wichtig, soziale Beziehungen zu pflegen. In meiner Gemeinschaft biete ich Raum für Zusammenhalt und für Individualität. Diesen Prozess begleite ich mit Einfühlungsvermögen und fördere wechselseitiges Verständnis für Sichtweisen und Empfindungen. Wir begegnen uns mit Toleranz und Wertschätzung und erfahren selbige als Folge davon. Das gelingt mir, in dem ich eine Vielfalt von Sitten, Gebräuchen und Ritualen bei Festen und Feiern aufnehme, und für Vorlieben von Eltern und Kindern bewusst Raum schaffe. 

Forscherlust ohne Grenzen.

Naturwissenschaft entzündet sich in jeder Alltagssituation. Beim gemeinsamen Beobachten, Probieren und Nachdenken über „Warum“ Fragen, erschließen sich meine Tageskinder spielerisch grundlegende Erfahrungen in diesem Bereich. Um Natur genauer zu erforschen, haben wir stets kleine Becher Lupen im Gepäck und fragen uns, was wird wohl aus der Raupe die wir gerade entdeckt haben? Warum kriecht die Schnecke so langsam? Wo kommt der Regenbogen her, der gerade über unseren Köpfen zu sehen ist.

Sprachbildung findet in meinem Stübchen bei jeder sich bietenden Gelegenheit statt. Das fängt bei der individuellen Begrüßung an. Jedes Kind signalisiert mir mit Gesten und Mimik wie es empfangen werden möchte. Dies kann still und leise oder mit Euphorie erfüllt sein. Ich rege Sprache an beim gemeinsamen Spielen, beim Zubereiten von Speisen, beim Sing- und Morgenkreis, beim An-, Aus- und Umziehen usw. Selbst beim Wickeln gehört Sprache dazu. Ich begleite mit Versen, Reimen, Liedern und Fingerspielen. Je älter meine Tageskinder werden, desto mehr entwickelt sich der Übergang zur schriftsprachlichen Bildung. Kinder sind dann in der Lage, Symbole aufzumalen und darüber zu kommunizieren.